Unser neues Projekt:  ¡Taypinats!

 

In Bolivien und vielen anderen Ländern formieren sich Gewerkschaften arbeitender Kinder, um gegen Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen zu kämpfen (siehe: Rechtslage Kinderarbeit). Die Kinder wollen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen: Sie vernetzen sich, verbessern ihr Arbeitsumfeld und wählen Vertreterinnen, um politischen Druck auszuüben. In der  Regionalgruppe Taypinats aus La Paz haben sich arbeitende Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Bereichen zusammengefunden, um gemeinsam für ihre Rechte und die aller arbeitenden Kinder Boliviens zu kämpfen.

In der Gruppe sind Straßenverkäuferinnen Schuhputzerinnen, Maurer, Küchenhilfen und Putzmädchen. Meistens verdienen sie nicht mehr als 25 Dollar im Monat. "Taypi" ist ein Aymara-Wort und bedeutet so viel wie "Zusammenkunft". Die Taypis kämpfen gemeinsam für mehr Lohn, einen Zugang zum Sozialsystem, für bessere Arbeitsbedingungen und gegen die Gewalt, der sie von Seiten der Arbeitgeber und Kunden immer wieder ausgesetzt sind. Vor allem die Mädchen werden immer wieder Opfer sexueller Gewalt. Die Taypis werden von keiner Hilfsorganisation unterstützt, viele kennen ihre Rechte nicht und haben wenig Erfahrung im Kampf für ihre Rechte.  Deswegen brauchen sie Unterstützung. Ihre bisherige Sprecherin, Nadia Mendoza, möchte noch intensiver für die nötige Unterstützung sorgen. Ihren Posten als gewählte Vertreterin der arbeitenden Kinder von La Paz musste sie abgeben, da sie 18 geworden ist. Zorro e.V. gibt ihr ein Stipendium, damit sie die "Taypis" koordiniert und die wöchentlichen Treffen vorbereitet, um sie zu stärken, zu beraten und mit ähnlichen Gruppen zu vernetzen. Glücklicherweise gibt es in La Paz viele ehemalige arbeitende Kinder und Sozialarbeiter, die bereit sind, Nadia und die anderen "Taypis" mit Rat und Tat zu unterstützen.

Als Thomas Middelanis von Zorro.e.V. die Gruppe im Mai 2019 zum ersten Mal besuchte, hatte Nadia Mendoza gerade erst die Aufgabe als Koordinatorin von ihrer Vorgängerin übernommen. In der Gruppe trafen sich damals meistens nur sieben Jugendliche, die nicht jünger als 16 waren. Die Gruppe berichtete sehr enthusiastisch von ihren Plänen, Taypinats zu verjüngen, mehr arbeitende Kinder in den Schulen anzusprechen und sich in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Sie haben es geschafft.

 

Nadia Mendoza in einer Schule von La Paz
Nadia Mendoza in einer Schule von La Paz

Jetzt treffen sich immer zweimal wöchentlich rund 20 arbeitende Kinder und Jugendliche in den Räumen von Taypinats. Hier werden Workshops zu typischen Berufen der arbeitenden Kinder abgehalten:

Lebensmittelverarbeitung und -verkauf, Kosmetik, Straßenmusik. Wie können wir besser zusammenarbeiten und unsere Einkommen verbessern? Wie gehen wir mit unseren Kunden um - und wie mit Passanten oder anderen Verkäufern, die uns nicht fair behandeln?

Diese Fragen behandeln sie  auch, wenn sie in den lokalen Schulen die Idee der "Kinderarbeiter-Gewerkschaften" vorstellen. Viele Kinder arbeiten täglich - und wissen doch oft wenig über ihre Rechte und wen sie um  Hilfe fragen können.


Mit Fernseh und Radiointerviews fordern die "Taypis" trotz der schwierigen politischen Lage den Schutz und die Anerkennung arbeitender Kinder. Darüber hinaus gehen sie demonstrieren und versuchen Verbündete in Kommunal- und Nationalpolitik zu finden. In Rhetorikkursen verbessern sie ihre Auftritte in der Öffentlichkeit. Daneben wird aber natürlich auch immer viel gespielt, gemeinsam gegessen und musiziert.