In vielen Ländern der Welt fangen Kinder in jungem Alter mit dem Arbeiten an, da ihre Eltern oft nicht alleine für die Familie sorgen können. Auch gibt es in vielen dieser Länder Organisationen von arbeitenden Kindern, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Diese Gewerkschaften bilden sich immer dort, wo Kinder bemerken, dass sie nur im Zusammenschluss eine bessere Behandlung erreichen können. In Bolivien gelang es den Kindern 2014, dass zum ersten Mal auf der Welt ein Gesetz zum Schutz von Kinderarbeitern verabschiedet wurde, anstatt die Kinderarbeit generell zu kriminalisieren. Darin wurden ab dem Alter von 10 Jahren nur bestimmte Arbeitsfelder für Kinder erlaubt. Die Kinder erhofften sich dadurch, öffentlich ihre Rechte einzufordern und auf Missbrauch aufmerksam machen zu können. Mit einem legalen Status wollten sie der Ausbeutung entgehen und faire und sichere Jobs finden. Dieses Gesetz wurde sehr unterschiedlich wahrgenommen (siehe: Reportage rechts).

 

Die arbeitenden Kinder prangern die gängigen Kinderarbeits-Klischees an:

„Geht doch zur Schule- lernt, anstatt zu arbeiten!“ Mit dieser Haltung werden sie oft konfrontiert. Besonders, wenn sie auf Menschen treffen, in deren Ländern die Kinderarbeit bereits vor vielen Jahren durch gestiegenen Wohlstand überflüssig gemacht wurde. In Potosí gibt es derzeit 614 organisierte arbeitende Kinder. Davon gehen 613 auch zur Schule und liefern oft überdurchschnittliche Leitungen ab. Tatsächlich müssen viele Kinder in Bolivien  arbeiten, um ihre Schulbildung zu finanzieren (Schuluniform, Fahrtkosten, Büchergeld, etc.).

 

Im Dezember 2018 beschlossen das bolivianische Parlament und die Regierung, die Kinderarbeits-Paragraphen zu streichen, was Kinderarbeit unter 14 Jahren erneut für illegal erklärt. Zorro e.V. bedauert diesen Rückschritt, da der Gesetzestext zumindest einen Ausblick auf eine konstruktive Politik zum Wohle der Lebensbedingungen arbeitender Kinder bot. Bei ihrem Kampf für die konsequente Umsetzung der Arbeitsrechte unterstützten wir die Kinderarbeiter-Gewerkschaften. Leider kam die bolivianische Regierung in den vier Jahren nie ihren Verpflichtungen nach, welche 2014 festgelegt wurden. Somit konnte sich auch nie zeigen, inwiefern der gesetzliche Schutz arbeitenden Kindern zu einem würdevollen und autonomen Leben verhelfen kann. Aus Sicht vieler Kinder aus den Gewerkschaften ändert die Annullierung nichts, da sie als Organisation immer selber für ihren Schutz einstehen mussten und der Staat ihnen nicht wesentlich geholfen habe. 

 

Lourdes Cruz  hat die  Kindergewerkschaft CONNATSOP im Jahr 2013 vertreten, als arbeitende Kinder aus dem ganzen Land mit dem damaligen Präsidenten Morales ein neues Kindergesetz aushandelten. Heute ist sie enttäuscht von ihm:  "Sie  haben uns wahre Wunder versprochen: Mit dem Gesetz wird alles gut, Kinderschutzbeauftragte werden jedes Kind einmal im Monat am Arbeitsplatz besuchen. Das war wie ein Traum. Aber jetzt sind wir aufgewacht und sehen, was dabei herausgekommen ist: nichts. Wenn wir nachhakten, hieß es: Wir haben kein Geld, kein Personal.  Keines der versprochenen Schutzrechte ist in der Praxis umgesetzt worden. Jetzt müssen wir uns wieder auf die Basis-Arbeit konzentrieren und schauen, wo unsere Organisation den Kindern direkt helfen kann." Lourdes arbeitet heute als Sozialarbeiterin in einem Frauenrechtszentrum und begleitet die Gewerkschaft in weiterhin ihrer Freizeit.

Wie vielseitig die Basis-Arbeit sein kann, zeigen nun auch die arbeitenden Kinder von La Paz. Nadia Mendoza und und die Gruppe Taypinats wollen an die vergangenen Errungenschaften der Bewegung wieder anknüpfen und werden aktiv.